Asa seine letzte Schicht

Asa seine letzte Schicht

14.11.2015

Am 14. November 2015 stand eines meiner persönlichen Highlights, aus Schalke-Sicht, des letzten Jahres an. „Asa seine letzte Schicht“ das Abschiedsspiel von vielleicht einem der letzten seiner Art.

Gerald Asamoah das bedeutet Einsatz, Wille, Leidenschaft und Kämpfen bis zum Umfallen!

Als Asa im Sommer 1999 zu uns stieß, begann ein modernes Schalkemärchen. Insgesamt 329-mal (279 Einsätze für die Profis, 50 für die Amateure) hielt er die Knochen für unseren Verein hin, ehe er am 23. Mai 2015 beim 2:1-Heimsieg unserer Amateure gegen Borussia Mönchengladbach II die Fußballschuhe für immer an den Nagel hing.

In seinen 12 Profijahren bei uns erlebte er mit uns alle Erfolge (DFB-Pokalsiege 2001 und 2002, Ligapokal 2005, UEFA Intertoto Cup 2003 und 2004) und „ Teilerfolge “ die manch einer auch als Misserfolg werten wird (Vize-Meister 2001, 2005, 2007 und 2010, Vize-Pokalsieger 2005). Einen endgültigen Platz in den Schalker Geschichtsbüchern konnte er sich bereits am 30. Juni 2002 sichern.
Als er im WM-Finale 2002 im International Stadium Yokohama in der 77. Minute für Jens Jeremies eingewechselt wurde, war er der erste Schalker überhaupt, der in einem Finale einer Weltmeisterschaft zum Einsatz kam! Diese Leistung wurde erst 12 Jahre später an einem warmen Sommerabend in Rio de Janeiro von unserem Mannschaftskapitän Benedikt Höwedes wiederholt, dort aber mit dem besseren Ende.

Beim Schreiben dieses Berichts ist mir der Tag noch das ein oder andere Mal durch den Kopf gegangen, leider aber auch der Vorabend. Der 13.11.2015 hat uns Europäern klar gemacht wie nah Terror und Schrecken sein können. Für alle die sich jetzt fragen, warum fängt er jetzt hier von an? Ich habe lange überlegt, aber um die besondere Stimmung dieses Abends wiederzugeben ist es unabdingbar.

Dass "Asa seine letzte Schicht" trotz der schrecklichen Ereignisse am Vorabend stattfinden würde, war erst am Samstagmittag klar. "Mir ist nicht zum Feiern zumute, aber wir werden heute spielen, weil wir zeigen wollen, dass wir uns nicht von Terroristen unterkriegen lassen. Dieses Spiel ist auch für Paris!", hatte Asamoah vor der Partie erklärt.

Zur Eröffnung schwebte Gerald mit einer Tricolore in unsere Arena ein.

Auch unser Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies hielt eine bewegende Rede: " Gemeinsam haben wir uns sehr mit der Frage beschäftigt, ob die Partie stattfinden darf. Wir wollen uns von den Terroristen, die unsere Freiheit bekämpfen, nicht einschüchtern lassen. Wir kapitulieren nicht vor den Terroristen. Hass, Gewalt und Terror dürfen nicht die Oberhand behalten. Deshalb haben wir entschieden, dass das Abschiedsspiel für Gerald Asamoah stattfindet". Nach diesen Worten bebte die Donnerhalle und die Menge skandierte die langgezogenen Schalke, Schalke Rufe. Ein emotionaler und gleichzeitig starker Moment mit dem der Polacken und Proletenclub FC Schalke 04 stellvertretend für ganz Europa gezeigt hat, dass wir uns nicht unterkriegen lassen!

Aber die Achterbahnfahrt der Gefühle hörte an diesem Abend nicht auf ihre Runden zu drehen. Die Aufstellung der S04 Allstars und Asa Allstars sorgte teilweise für Jubelstürme! Viele alte Weggefährten und Freunde waren dem Ruf von unserem „Blondie“ gefolgt.

Die Mannschaften setzten sich wie folgt zusammen:

S04 Allstars: Fährmann, Schob er, Reck - Rafinha, Rodriguez, Waldoch, Bordon, Hajto, Kobiashvili, Westermann - Büskens, Nemec, Thon, Böhme, Anderbrügge, Ernst, Vermant, Baumjohann, Lincoln - Sand, Altintop, Kuranyi, Asamoah
Trainer: Stevens/Slomka

Asa Allstars: Lehmann, Wetklo - Kleine, Metzelder, Völz, Landgraf, Sarpei, Jansen - Addo, Geis, Hecking, D. Boateng, Lewejohann, Odonkor, Neuville - Onuegbo, Idrissou, N'Diaye, Hanke, Asamoah Trainer: Heynckes/Völler

Außerdem zu Gast auf der Bank war der Mann, der unseren Verein in erfolgreiche Zeiten gelenkt hat, unser Stumpen Rudi!

Ein Abend gespickt mit Eurofightern und verdienten Spielern der jüngeren Vereinsvergangenheit, die man ohne Probleme als „echte Schalker“ bezeichnen kann. Durch den einen oder anderen Kultspieler bei den Asa Allstars war Spaß an diesem Abend vorprogrammiert.

Gerald spielte die erste Halbzeit bei „seinen Allstars“ und die zweite dann auf der richtigen Seite! Man merkte den Spielern beider Teams an, das Sie Lust auf Fußball hatten, und der ein oder andere hat definitiv nichts verlernt! Hier an dieser Stelle aber jemand besonders hervorzuheben, würde dem Abend und den gezeigten Leistungen nicht gerecht werden.

Wir sahen ein unterhaltsames Spiel, welches die S04 Allstars mit 5:4 gewinnen konnten.
Insgesamt 4-mal lautete der Name des Torschützen Asamoah aber nur 3-mal war es unser Gerald. Das zwischenzeitliche 4:4 für die S04 Allstars erzielte sein Sohn Jaden. Ein paar Minuten vor Schluss machte sich der junge Asamoah warm und machte sich zur Einwechslung bereit und rief offiziell „den Schichtwechsel“ aus. Nicht nur eine Überraschung für uns sondern auch für Gerald, der von dieser Aktion sichtlich gerührt war.

Nach dem Abpfiff folgte die an so einem Abend übliche obligatorische Ehrenrunde, welche Gerald um so manchen Schal reicher gemacht hat. Der absolute Höhepunkt war das Feiern mit der Nordkurve mit den lautstarken „Gerald Asamoah Oh Ohooooo“ Rufen wo manch einer eine vereinspolitische Forderung der Menge von „Bier für 2 Eurooooo“ vernommen hat. Zum Abschluss noch ein Video auf dem Arena-Würfel mit den besten Asa-Momenten, Feuerwerk und Livemusik mit dem gecoverten Westernhagen-Hit „Freiheit“, getreu dem Motto Schalke ist das einzige was zählt!

Alles in allem ein runder Abend und ein mehr als würdiger Abschied für unseren „Blondie“. Lobenswert auch das Verhalten unseres Vereins der einen Großteil der Einnahmen des Abends der Stiftung von Gerald Asamoah für herzkranke Kinder zu Gute kamen ließ.